Sonntagsimpuls für 28.6.2020

Impuls für Sonntag, 28.6.2020

 

Psalm 103


Schriftlesung (Predigttext) Micha 7,18 - 20


Liedvorschlag: EG 353 „Jesus nimmt die Sünder an“


Sonntagsimpuls – Schuld und Sünde

Schuld und Sünde. Zwei Worte nur. Und doch sind sie zentral für unseren christlichen Glauben.

Schuld und Sünde. Ein paar Schuhe, wie füreinander gemacht. Sie passen gut zusammen. Sie passen an jeden Fuß. Weil jeder von uns schuldig wird. Weil jeder von uns Sünder ist.


Schuld und Sünde. Die Sünde ist dabei zuerst da. Die Sünde ist das was uns von Gott trennt. Dass wir Gott oft nicht Gott sein lassen. Dass wir unseren eigenen Kopf durchsetzen wollen.

Das führt dann zur Schuld. Wir werden schuldig an Gott.

Und wir werden schuldig an anderen Menschen.


Die Sünde trennt uns von Gott. Sie ist die große Mauer zwischen uns, die wir selbst errichtet haben. Stein für Stein. So groß, dass wir als Menschen sie durch nichts überwinden könnten.

Die Schuld ist ein Graben den wir ausheben. Er trennt uns von den Menschen, an denen wir schuldig geworden sind.

Unsere Schuld trennt uns auch von Gott.


Mauern und Gräben also, wie bei einer mittelalterlichen Stadt. Mauern und Gräben, als ob wir uns gegen Gott verteidigen müssten.

Weil Gott ja unser Ego bedroht. Weil Gott uns den Spiegel vor Augen hält und klar macht, wo wir überall schuldig werden. Gott ist wie der eine Mensch der uns scheinbar wegen jeder Kleinigkeit kritisiert. An allem hat er herum zu mäkeln, man kann nichts richtig machen.

Solches Verhalten deuten wir dann als feindlich.


Das Problem ist: Die Mauern die wir bauen und die Gräben die wir ausheben, schützen uns nicht vor Gott. Sie werden zu unserem eigenen Gefängnis. Sie halten uns fest, sie halten uns fern von allem Guten und allem Leben.

Wer schon wirklich Schuld verspürt hat, weiß wie furchtbar sich das anfühlt. Wer wirklich Gottesferne gespürt hat, der weiß wir schrecklich das ist.

Verzweiflung übernimmt das Fühlen und Denken. Man will nur noch raus. Man will zu Gott. Und doch scheint es so, als ob die Sünde viel zu groß ist.

Ein Teil in mir sagt dann: Verstehst Du, Gott, denn nicht warum ich so denke und fühle? Warum ich das getan habe?Ich bin auch nur ein Mensch. Ich bin schwach. Warum verfolgst Du mich damit?

Ein anderer Teil will alle Schuld von sich streifen. Da entschuldige ich mich tausendfach, will die Schuld abwaschen wie Leute die auf dem Bau geschafft haben, am Ende des Arbeitstages duschen. Nur runter mit dem Dreck. Ich will mich doch rein fühlen!

Und nochmal ein Teil von mir heult dann in der Dusche. Weil er weiß dass er Gott schon oft versprochen hat, nichts Böses mehr zu tun. Und doch immer wieder versagt hat. Auch jetzt wieder. Ich kann einfach nicht treu sein.


Das sind dann besonders die Formen von Schuld, für die wir besonders anfällig sind. Das mag bei dem einen Hochmut sein, dass man sich für besser hält als andere.

Bei anderen ist es vielleicht dass man es nicht schafft wirklich dem Partner treu zu sein, sondern seine Gedanken immer wieder zu anderen Menschen gehen. Fantasien, wie es vielleicht wäre stattdessen mit diesem Mensch zusammen zu sein.

Oder bei manchen ist es der Neid. Anderen nichts gönnen. Sich dann ärgern über das Haus oder das Auto des Nachbarn, über seine schönen Rosenbüsche, die ihm so gut gelingen.



Schuld und Sünde sind ein Gefängnis. Sie trennen uns von Gott.


Beispiel zeigen:


Das ist der Mensch. Eine Playmobilfigur.

Und dieser Karton dort steht für Gott.

Dazwischen haben wir diesen leeren Karton Eiskonfekt.

Er steht zwischen Gott und dem Menschen.

Er steht für die Schuld und die Sünde, die uns von Gott trennt. Die uns von Gott fernhält.


18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!

19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.



Er wird unsere Schuld unter die Füße treten.



* Pfarrer zertritt Karton mit Eiskonfekt

Er wird unsere Sünde in die Tiefen des Meeres werfen.



* Pfarrer nimmt kaputten Karton (Eiskonfekt) und wirft ihn in die mit Wasser gefüllte Schale auf dem Taufbecken



Gott ertränkt unsere Sünde in der Taufe. Die Taufe, die das tiefste aller Meere darstellt.

Gott befreit uns, damit wir mit ihm leben können. Ohne Sünde und ohne Schuld.



Ja, natürlich kennen wir weiterhin Sünde. Ja, natürlich werden wir auch nach unserer Taufe weiterhin schuldig.

Aber die Sünde und die Schuld sind dann nur noch kleinere Hindernisse. Oder versuchen sie mal einen nassen, zertretenen Eiskonfektkarton wieder aufzustellen zwischen Gott und Mensch.



  • Pfarrer versucht es und scheitert





Lobe den Herrn, meine Seele,

und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiß nicht, was er dir gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.


Amen.


Liedvorschlag: EG 615 „Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel“


Vaterunser


Segensbitte
„Es segne und behüte uns der dreieinige und barmherzige Gott: Der Vater, der Sohn

und der Heilige Geist. Amen.“

Hier finden Sie die Sonntagsimpulse seit dem 15.3.2020